17.09.2026 – Integrationsmanagement im Christlichen Klinikum Paderborn

17.09.2026 – Integrationsmanagement im Christlichen Klinikum Paderborn

Über spannende Einblicke und große Herzlichkeit konnten sich die Zeitspender*innen freuen, die der Einladung zum Infoabend „Integrationsmanagement und Ausbildungskoordination“ gefolgt waren. Trotz des zunächst eher nüchtern klingenden Themas war der Abend abwechslungsreich, informativ und vor allem sehr lebendig.

Anlass der Veranstaltung war das gemeinsame Projekt des Christlichen Klinikums und der Zeitspende, das internationalen Auszubildenden das Ankommen in Paderborn erleichtern soll. Dazu gehören beispielsweise gemeinsame Stadtrundgänge von Zeitspender*innen und angehenden Pflegefachkräften („Walk & Talk“). Aus diesen Begegnungen sind inzwischen auch feste Sprachpatenschaften entstanden, die den jungen Menschen ermöglichen, ihre Deutschkenntnisse außerhalb des Krankenhauses anzuwenden und weiterzuentwickeln.

Vom Kulturschock zur Integration

Eine Premiere gab es gleich zu Beginn: Statt mit den üblichen Begrüßungsworten wurden die zahlreichen Zeitspender*innen mit einem fröhlichen Lied des Integrationsteams des Christlichen Klinikums willkommen geheißen. Die Zeile „Wir haben uns schon so auf Sie gefreut“ setzte den Ton für einen Abend, der von gegenseitigem Interesse, Respekt und Herzlichkeit geprägt war.

Moderiert wurde der Abend mit viel Schwung und Humor von Suraj More. Er arbeitet als Pflegekraft in der Onkologie und ist Mitglied des Integrationsteams – und damit ein großartiges Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann. „Deutschland ist zwar klein, aber keine kleine Kultur, sondern ganz riesig, wenn man aus Indien kommt“, beschreibt er seine Eindrücke bei seiner Ankunft vor vielen Jahren. Inzwischen ist er mit der deutschen Kultur bestens vertraut, mit einer Deutschen verheiratet und Vater von drei Kindern.

Genau solche Integrationsgeschichten wünscht sich auch Herr Gerzen (Regionale Pflegedienstleistung Ausbildung). Die internationalen Pflegefachkräfte sollen nicht nur ihre anspruchsvolle Ausbildung erfolgreich absolvieren, sondern anschließend möglichst in ein festes Angestelltenverhältnis wechseln. Dazu sind sie vertraglich nicht verpflichtet. Umso wichtiger sei es, die engagierten jungen Menschen herzlich willkommen zu heißen, sie auch bei Fragen des Alltags außerhalb der Klinik zu unterstützen und ihnen den Start in ein selbstständiges Leben zu erleichtern.

Zwischen Chili und Schnitzel – Ankommen in einem fremden Land

In mehreren Kurzvorträgen wurden die unterschiedlichen Facetten der Anwerbung und Integration internationaler Pflegeschüler*innen vorgestellt. VertreterInnen des Klinikums und des Kreises Paderborn berichteten sowohl über die Herausforderungen der vielfältigen Ausbildung als auch über die diversen Integrationsangebote.

Die Unterstützung reicht von ganz praktischen Dingen wie Fragen zu ÖPNV, Mülltrennung oder Behördengängen bis hin zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten. Beim gemeinsamen Plätzchenbacken oder Kochen entstehen zum Beispiel Begegnungen und Unterhaltungen in deutscher Sprache. Dass der großzügige Einsatz von Chili dabei für deutsche Gaumen gelegentlich eine Herausforderung darstellt, tut der guten Stimmung offensichtlich keinen Abbruch.

Auch die Zeitspende stellte ihre Organisation und die Aktivitäten im Rahmen des gemeinsamen Projekts vor. Den Sprachpat*innen, die von ihren Erfahrungen mit den angehenden Pflegefachkräften berichteten, war ihre Begeisterung deutlich anzumerken. Sie betonten, wie sehr auch sie selbst von den Begegnungen und den interessanten Gesprächen mit den freundlichen jungen Menschen aus anderen Kulturkreisen profitieren.

Besonders eindrucksvoll war der lebendige Bericht der Pflegeschülerin Strefeena Prakash, die gerade ihr erstes Ausbildungsjahr absolviert hat. In flüssigem Deutsch und mit charmantem Akzent erzählte sie von ihrem Start in Deutschland, der natürlich auch mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden war: Wie kleidet man sich bei Kälte? Wie isst man mit Messer und Gabel? Und wie schmeckt eigentlich deutsches Essen? Schnitzel gehören inzwischen zu ihren Favoriten – an manches andere müsse sie sich noch gewöhnen.

Trotz vieler Herausforderungen schätzt Strefeena das deutsche Ausbildungskonzept. Es ist praxisorientiert und ermöglicht Einblicke in verschiedene pflegerische Bereiche – von der Ambulanz über die Station bis hin zu Psychiatrie und Altenpflege. Das vierjährige Hochschulstudium in Indien ist dagegen stärker theoretisch ausgerichtet und auf die klassische Krankenpflege konzentriert. Zudem können sich nicht alle Familien die Studiengebühren leisten. Auch die vergleichsweise niedrigen Einstiegsgehälter machen es für viele junge Menschen schwierig, finanziell unabhängig zu werden.

Gemeinsamer Einsatz, gemeinsame Freude

Nach den vielen spannenden Beiträgen war die Begeisterung im Raum deutlich zu spüren. Bei leckeren Snacks und kühlen Getränken blieb anschließend ausreichend Zeit für weitere Gespräche – und die wurde intensiv genutzt.

Die Erfahrungsberichte haben gezeigt, wie gut Integration funktionieren kann, wenn Menschen aus unterschiedlichen Organisationen ihre Erfahrungen, Ideen und Zeit einbringen. Davon profitieren nicht nur die internationalen Pflegefachkräfte. Auch diejenigen, die sich auf den Austausch mit ihnen einlassen, nehmen neue Erfahrungen und Perspektiven mit.

Viele Zeitspender*innen, die das gemeinsame Projekt mit dem Christlichen Klinikum bisher noch nicht kannten, ließen sich an diesem Abend schnell von der Begeisterung anstecken. Für die Zeitspende ist damit klar: Das Engagement für gelebte Integration geht weiter.

Und die Begrüßungsworte „Wir haben uns schon so auf Sie gefreut“ geben wir gerne an das Team des Christlichen Klinikums zurück: Wir haben uns sehr über diesen Abend mit Ihnen gefreut!